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Endlich war uns der Wettergott in Gersthofen mal gnädig – zumindest brauchbar ausreichend gnädig. Am gestrigen Abend trafen sich die Mitglieder des Wahlkurses Astronomie Praxis, um zum ersten Mal erfolgreich (diesmal kein Nebel!) die neuen Schulteleskope einzusetzen. Nach kurzer Abkühlzeit der Optiken sahen wir zum ersten Mal den Mond in über 120-facher Vergrößerung. Das Mare Crisium, ein lavaüberfluteter, riesiger Meteoriteneinschlag, hob sich sehr schön von der Oberfläche ab, die Ringgebirge traten plastisch hervor und warfen lange Schatten. Leider zogen von Westen her bald dicke Wolken auf, die den Mond als Beobachtungsziel schnell unbrauchbar machten.
Aber ein anderes helles Objekt war noch gut im Osten zu sehen und bot genau an diesem Abend ein Himmelsschauspiel der besonderen Art: Jupiter! Genau um 18.26 MEZ warf Europa, mit 3122 km Durchmesser einer der vier großen Jupitermonde, seinen Schatten auf die Jupiteroberfläche! Eine Sonnenfinsternis auf Jupiter! So etwas sieht man nicht alle Tage! Langsam wanderte der Schatten über den Jupiter und wir konnten so den Verlauf der gesamten Sonnenfinsternis auf diesem fernen Planeten in unserem Sonnensystem mit unseren Teleskopen mitverfolgen. Neben den zwei großen Wolkenbändern, nördlich und südlich des Äquators, konnten bei relativ gutem Seeing auch weitere Atmosphärengürtel und riesige Wirbelstürme auf der Jupiteroberfläche direkt beobachtet werden. Bei etwas längerer Beobachtungszeit fällt auch die schnelle Bewegung der Jupitermonde auf, die wie ein großes Uhrwerk ihre Bahnen um Jupiter ziehen. So tauchte zum Beispiel Jupitermond Europa um 19.19 MEZ wieder direkt neben Jupiter auf. Europa befand sich zuvor direkt vor der Jupiteroberfläche, und war damit so gut wie unsichtbar gewesen – ein so genannter Monddurchgang. Wenn das schon Galileo hätte so gut sehen können wie wir! Echt tolle Teleskope! Und der Tee und die Plätzchen waren auch nicht schlecht.
(Fotos: mit freundlicher Genehmigung von Thomas Winterer)
H. Frankenberger
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