„Buchstäblich in letzter Sekunde vor Beendigung der Antragsfrist hat es doch noch geklappt! Ihr seid die ersten, schön dass Ihr da seid“ Erleichtert über das Gelingen des lange geplanten Vorhabens äußerte sich Schulleiter Peter Krauß am vergangenen Montag in einem eigens reservierten Klassenzimmer vor den versammelten 18 Schülerinnen und Schülern und einigen Eltern. Die ersten, die da sind? Mitten im Schuljahr? Ja, das gibt es. Über ein halbes Jahr hat es gedauert, bis der Bedarf erhoben, alle Anträge eingereicht und alle Zuschüsse bewilligt waren für das Konzept „Offene Ganztagsschule“ am Paul-Klee-Gymnasium Gersthofen.
Bis zum Schluss stand alles auf wackeligen Beinen: Gibt es genug Interessenten? Reicht die Finanzierung? Gibt es geeignete Träger? Kann man auf die Schnelle genügend pädagogisch qualifiziertes Personal finden? Und und und… Ohne die staatlichen Zuschüsse und vor allem ohne die Kostenzusage des Landkreises Augsburg wäre das Ganze überhaupt nicht zu verwirklichen gewesen. 6000 Euro hat der Landkreis Augsburg anteilsmäßig im Kalenderjahr 2007 für die Nachmittagsbetreuung der Schüler zur Verfügung gestellt. Ein noch nicht feststehender (eventuell höherer) Betrag ist auch für das Kalenderjahr 2008 zugesagt, wenn die Schulen Bedarf anmelden. Zusätzlich übernimmt die Regierung von Schwaben 565,30 Euro für jeden Schülerplatz (18 Schüler werden umgerechnet auf 9 Schülerplätze), den Rest zahlen die Eltern: 60 Euro pro Halbjahr für einen, 120 Euro für zwei, 180 Euro für drei Nachmittage und 240 Euro für die Nachmittagsbetreuung von Montag bis Donnerstag. Das alles aber reicht kaum aus, um dieses Projekt wirklich zu finanzieren. Vor allem der Beginn ist nicht einfach: „Wir sind in einer Anlaufsphase und müssen sehen, wie sich das Ganze entwickelt“ – so Schulleiter Krauß. „Wir sind aber überzeugt, dass in Zukunft das Angebot verstärkt wahrgenommen werden wird. Das haben uns in der Planungszeit viele Elternanrufe gezeigt, die zum Inhalt hatten, dass einige Eltern sogar bereit gewesen wären, für mehr Nachmittage zu bezahlen, auch wenn das Kind nur an weniger Tagen betreut werden müsste, damit ja nur die „Offene Ganztagsschule“ am Paul-Klee-Gymnasium begonnen werden kann. Manche sind einfach darauf angewiesen, manchen brennt es einfach auf den Nägeln, weil nachmittags niemand zu Hause ist, der sich um die Kinder kümmern kann – und das sind nicht nur Alleinerziehende, auch wenn das einen Großteil der Interessenten ausmacht! Wir sind sicher, dass im kommenden Schuljahr nach der Einschreibung im Mai noch viele Eltern auf dieses Projekt aufspringen werden!“
Wie sieht das Betreuungsangebot am Paul-Klee-Gymnasium aus? Und: Was ist überhaupt eine „Offene Ganztagsschule“?
Die „Offene Ganztagsschule“ wird inzwischen von mehreren Schulen in Schwaben, im Landkreis und in Augsburg-Stadt angeboten. Ursprünglich war dieses Modell vor allem für die Hauptschulen gedacht – nun aber gibt es auch immer mehr Gymnasien, die Eltern diesen „Service“ anbieten, da sich gesellschaftlich einfach Änderungen vollziehen, die eine Betreuung der Schulkinder am Nachmittag für einige Eltern immer dringender machen. Immer mehr Einzelkinder, immer mehr Alleinerziehende – da werden Mitschüler oft zu „sozialen Geschwistern“, da werden Ganztagsangebote oft als große Hilfe empfunden. Dabei ist der Begriff „Offene Ganztagsschule“ eher missverständlich. Peter Krauß erläutert: „Im Gegensatz zur Gebundenen Ganztagsschule wird bei unserem offenen Modell nicht der Unterricht über den ganzen Tag verteilt. Der Unterricht läuft wie bisher hauptsächlich vormittags, manchmal – G8-bedingt – auch nachmittags. Nach dem Unterricht aber haben wir für die teilnehmenden Schüler und Schülerinnen der Offenen Ganztagsschule noch weitere Angebote.“
Und wer nimmt teil? „Es sind Schülerinnen der 5. bis 8. Jahrgangsstufe, die sich bei uns für die Offene Ganztagsschule angemeldet haben“, erklärt Erwin Lenz, der stellvertretende Schulleiter am Paul-Klee-Gymnasium, der von Anfang an mit der Planung dieses Projekts mit betraut war. „Ältere Schülerinnen und Schüler haben da wohl nicht mehr so viel Interesse, die machen ihr Zeug alleine. Uns fällt auf, dass sich besonders viele 6.Klässler gemeldet haben. Das liegt wohl am verstärkt einsetzenden Nachmittagsunterricht in der 6. Jahrgangsstufe im G-8.“
Dabei legen die Eltern großen Wert auf eine pädagogisch durchdachte Hausaufgabenbetreuung. „Das war bei der Umfrage des Bedarfs der am häufigsten geäußerte Elternwunsch“, erklärt Marion Laubensdörfer, Elternbeiratsmitglied am Paul-Klee-Gymnasium Gersthofen. „Viele Schüler am PKG sind Fahrschüler und kommen erst spätnachmittags nach Hause. Dann sollten nicht auch noch mehrere Stunden Hausaufgabenzeit hinzukommen, sonst haben die Kinder ja gar keine Freizeit mehr.“ Und so ist es auch: Die meisten Schüler, die sich für die Offene Ganztagsschule am PKG angemeldet haben, kommen nicht aus Gersthofen, sondern aus umliegenden Gemeinden. Sehr froh ist man am PKG, dass mit der St.Gregor-Jugendhilfe ein Träger gefunden wurde, der innerhalb kürzester Zeit eingesprungen ist. Manfred Bertuleit, Dipl. Sozialpädagoge und bei der St.Gregor-Jugendhilfe zuständig für die Offene Ganztagsschule erläutert: „Wir werden unter weniger Zeitdruck unser pädagogisches Konzept noch viel schülerbezogener entwickeln. Bis das soweit ist, bieten wir nach dem Unterricht an: Gemeinsames Mittagessen in der Gruppe mit anschließender Entspannungsphase. Die Vermittlung von Hilfen zur persönlichen Lernorganisation, also: „Lernen lernen“. Genügend Zeit für Hausaufgabenbetreuung, so dass die Arbeitszeit zu Hause erheblich entlastet wird. Wir nehmen hier auf individuelle Zeitgestaltung große Rücksicht – das ist unser Schwerpunkt. Und schließlich sinnvolle Angebote zur Freizeitgestaltung mit der Zielsetzung, gruppendynamische Prozesse in Gang zu setzen, die ein fröhliches Miteinander ermöglichen.“ Und so ist es auch: Die Kinder essen zusammen, erholen sich kurz bei Spiel oder Meditation, fertigen die Hausaufgaben an (die einen brauchen mehr Zeit, andere weniger), gestalten dann zusammen ihren Gruppenraum, recherchieren im Internet für gemeinsame Projekte, treiben Sport und spielen wieder gemeinsam.
Manche Kinder kommen an drei Nachmittagen (jeweils von 13.00 Uhr – 16.00 Uhr), manche an einem, die meisten an zwei. Die St. Gregor-Jugendhilfe stellt für diese Betreuung vorerst zwei Mitarbeiter zur Verfügung, weitere werden dazukommen. Die Projektleitung für die Schule hat Eva Rebel übernommen, Sportlehrerin und Unterstufenbetreuerin am Paul-Klee-Gymnasium. Sie ist Ansprechpartnerin für weitere Interessenten und meint: „Ich habe mich sehr gefreut, dass es nach den Geburtswehen doch noch geklappt hat. Und viel mehr noch freut mich das Lob der Betreuerin der St. Gregor-Jugendhilfe, die schon nach wenigen Tagen strahlte: Was haben Sie für nette Kinder hier im Haus.“
Eva Rebel erläutert aber auch, was das Konzept der Offenen Ganztagsschule nicht leisten kann: „Wir bieten keinen Nachhilfeunterricht an, keine individuelle fachspezifische Lernförderung. Das ist nicht Inhalt des Konzepts, das kann und will der Träger auch gar nicht leisten, weil man hier lauter Fachpersonal bräuchte – also Lateiner, Mathematiker, Chemiker usw. Die Stoffvermittlung soll nach wie vor schulische Aufgabe bleiben. Bei Verständnisschwierigkeiten greifen hier am PKG dann andere Konzepte wie unsere „Lerntrainer“ und „Lernmentoren“. Das sind ältere Schülerinnen und Schüler, die gegen geringe Gebühr den Stoff nochmals aufbereiten.“
Man wird sehen, wie sich die Offene Ganztagsschule am Paul-Klee-Gymnasium entwickelt. Der Anfang ist jedenfalls einmal geschafft. „Schulentwicklung wird bei uns groß geschrieben“, kommentiert Schulleiter Peter Krauß: „Die Verlagsgruppe Weltbild als Kooperationspartner – eine enge Zusammenarbeit mit dem FC Augsburg im Jugendbereich – jetzt die Offene Ganztagsschule: Neben einem hochqualifizierten Unterricht und vielen Lehrer-Schüler-Aktivitäten haben wir uns weitere Standbeine gegeben und stehen damit fest auf dem Boden von Bewährtem und Neuem!“

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