"Ich zur Schulpsychologin? Ich bin doch kein Psycho!"

Immer wieder werden mir zu meiner Arbeit Fragen gestellt. Hier sind einige davon- und die Antworten darauf:
  • Warum gehen Schüler und Schülerinnen zu Ihnen?
    "Gründe können Probleme mit Mitschülern sein, das schlechte Klassenklima, weil man als Außenseiter nicht akzeptiert wird oder weil die Noten überhaupt nicht mehr passen. Manchmal auch übermäßige Aufregung vor Prüfungen oder Zoff mit den Eltern.
    Häufig sind die Gründe privat. Liebeskummer, die Eltern trennen sich, ein Elternteil ist krank. Oder eine Freundin steckt in einer Krise, ritzt vielleicht oder nimmt Drogen. Schwierigkeiten hat ja jeder mal. "
  • Aber ist es dann nicht besser, damit zu Freunden oder anderen vertrauten Menschen zu gehen?
    " Manchmal möchte man oder kann sich nicht an solche Menschen wenden. Vielleicht, weil die Probleme so groß erscheinen, vielleicht aber auch, weil es einfach unangenehm oder peinlich ist."

 

  • Wie nehmen die Schüler Kontakt mit Ihnen auf?
    "Manche fragen in der Pause am Lehrerzimmer nach mir, andere klopfen bei mir am Beratungszimmer an. Manchmal liegt ein Zettel für mich in meinem Fach im Lehrerzimmer. Und wieder andere sprechen mich einfach mal auf der Treppe oder auf dem Gang an. Schließlich gibt es auch noch die Möglichkeit, mich anzurufen oder mir auf meinem Anrufbeantworter eine Nachricht zu hinterlassen."

 

  • Was erwartet einen Schüler bei einer Beratung?
    "Zunächst einmal wird man eine Gesprächspartnerin mit einem offenen Ohr finden. Egal, ob die Probleme groß oder klein sind. Ich höre zunächst einmal aufmerksam zu, versuche das Problem zu erfassen, vielleicht Ordnung und Klarheit in ein Gedankenwirrwarr zu bringen, vielleicht Ursachen zu finden.  Dann überlege ich mit dem Schüler gemeinsam eine Lösungsmöglichkeit. Manchmal bleibt es bei einem einzelnen Gespräch, manchmal werden weitere Termine vereinbart. Immer wieder kommt es auch vor, dass ich einen Schüler an eine andere Adresse weitervermittle."

 

  • Haben die Psychologen nicht ein schlechtes Image, und wenn man hingeht, ist man dann nicht ein "Psycho", über den die anderen lachen?
    "Dass heute jemand ein Psycho ist, weil er sich beraten lassen will, ist längst überholt. Wir sind fühlende und denkende Wesen und keine Maschinen, daher ist es völlig normal, sich beraten zu lassen. Man geht ja auch bei anderen Schwierigkeiten zu einem Fachmann."

 

  • Wäre es nicht besser, wenn Schulpsychologen ihre Beratung an einem neutralen Ort außerhalb der Schule anbieten würden?
    "Schulpsychologen mit einem festen Sitz an den Schulen, das gibt es nur in Bayern. Das hat viele Vorteile. Die Schüler haben durch meine Präsenz die Möglichkeit mich erst einmal kennen zu lernen und Vertrauen zu fassen. Da ich am Paul-Klee-Gymnasium in einer Doppelfunktion bin, also auch unterrichte, kenne ich den Betrieb außerdem ganz genau und kann viele Schülerprobleme besser nachvollziehen."

 

  • Schulpsychologen am Gymnasium- braucht man die dort überhaupt?
    "Manche assoziieren Schulpsychologie mit Lernschwierigkeiten, Vernachlässigung im Elternhaus, Gewalteskalation. Nun schmeißen aber ja Gymnasiasten im Normalfall nicht mit Stühlen um sich und Prügeleien gehören auch nicht zum gymnasialen Alltag.  Die Probleme von Gymnasiasten sind unauffälliger. Viele Schüler plagen sich insgeheim mit enormen Leistungsdruck. Aggressionen werden gegen die eigene Person gerichtet. Ritzen, Suchtverhalten, Essstörungen, Suizidgedanken. Gefährdet sind manchmal die "Stillen", die im Pausenhof am Rand stehen und im Unterricht vielleicht auch gar nicht auffallen."

 

  • Wie wird man Schulpsychologin?
    "Bayerische Schulpsychologen haben immer eine Doppelrolle, sie arbeiten neben der psychologischen Beratung auch als Lehrer. An der Universität haben sie neben der Schulpsychologie noch mindestens ein weiteres Schulfach studiert. Bei mir waren das Latein und Geschichte. Da ich mich als Studentin noch nicht auf eine schulische Beruftätigkeit festlegen wollte, studierte ich im Anschluss Diplom-Psychologie, machte eine Ausbildung als Psychotherapeutin und arbeitete einige Jahre in einer Fachklinik für suchtkranke junge Menschen. Als Schulpsychologin in Gersthofen bin ich nun seit dem Schuljahr 2002/3. "

 

  • Unter den Schülern heißt es manchmal, halb aus Spaß: "Dann kommst du zur Schulpsychologin". Kann das denn passieren, dass man als Schüler zu Ihnen geschickt wird?!
    Ganz klar: Nein. Ich setzte voll auf die freiwillige Gesprächsbereitschaft der Schüler, ich will auf keinen Fall, dass ein Schüler gegen seinen Willen zu mir geschickt wird. Zu einem Gespräch mit mir kann man nicht "verdonnert" werden."

 

  • Haben Sie so etwas wie eine Schweigepflicht?
    "Ein Schulpsychologe ist wie ein Arzt zur Verschwiegenheit verpflichtet. Für mich ist das intakte Vertrauensverhältnis zu den Schülern die Basis meiner Arbeit. Was mit mir in einem Raum besprochen wird, das bleibt da drin. Informationen werden nur auf ausdrücklichen Wunsch des Hilfesuchenden an andere weitergegeben. "

 

 

 

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