Am 29.01. 2008 fuhr die diesjährige K13 gemeinsam mit ihren Kursleitern zu einer Geschichtsexkursion nach Nürnberg. Dort besichtigten wir das ehemalige Reichsparteitagsgelände, dessen Bau unter Hitler 1934 begonnen wurde. Dieses Gelände, das ein Zeugnis der maßlosen Selbstüberschätzung und des Größenwahns des Nationalsozialismus ist, sollte lediglich zum Abhalten der jährlichen Reichsparteitage dienen.
Reichsparteitage
An diesen sieben Tagen im Jahr, von denen jeder im Zeichen einer anderen Organisation der Partei stehen sollte, zeigte sich Nazideutschland nach innen und außen als straff organisierte und kriegsbereite Militärmacht. Doch wie vieles im dritten Reich ist auch das Parteitagsgelände nur eine Fassade. Dies wurde besonders während der Besichtigung der Kongresshalle deutlich, die von außen einer massiven Festung aus Granit gleicht und stark an die Architektur der Antike (vor allem an das Collosseum in Rom) erinnert. Sie sollte das Herzstück der Anlage bilden und ca. 50.000 Parteimitgliedern Platz bieten, die dort Hitlers jährliche Rede hören sollten.
Weil aber bei Kriegsbeginn sämtliche Bauarbeiten am Parteitagsgelände gestoppt wurden, blieb die Kongresshalle ein Torso. Es genügt ein Blick ins Innere, um die Wahrheit „hinter den Kulissen“ zu erkennen. Dort kommen billige Backsteine zum Vorschein, die außen von den Granitplatten versteckt wurden. Sie entlarven die Kongresshalle als Bauruine, für die es heute keinen Nutzen mehr gibt.
Nazi-Architektur
An ihrem Beispiel wird allerdings die Bedeutung der Architektur im dritten Reich sehr deutlich. Überdimensionale, tempel- und festungsartige Bauten sollten klar machen, dass das Individuum nicht zählt und nur die Gemeinschaft wichtig ist. Außerdem sollten sie auf den Betrachter wie Heiligtümer und Tempel Hitlers wirken und den Nationalsozialismus zu einer Art Ersatzreligion erheben.
Aufmarschstraße
Der nächste Halt der Führung war „die Straße“. Eine 2km lange und 60m breite Straße, auf der die Wehrmacht aus Richtung der Nürnberger Burg auf Hitler und die Zuschauer zumarschierte. Diese aus 60.000 Granitplatten bestehende Straße sollte die Verbindung zwischen dem historischen Nürnberg und seiner neuen Zukunft (dem Parteitagsgelände) sein. Jede dieser Platten hat genau die Länge zweier Stechschritte, zudem wurde die Granitoberfläche künstlich aufgerauht, um der Wehrmacht beim Aufmarsch auch bei schlechten Wetterverhältnissen einen sicheren Schritt zu gewährleisten. Auch dieses Bauwerk wurde nicht vollständig fertiggestellt und wurde nach 1945 zuerst von der US-Luftwaffe als Start- und Landebahn, und heute als Parkplatz bei Großveranstaltungen genutzt.
Zeppelintribüne und Zeppelinfeld
Ein weiteres, von Albert Speer konzipiertes Bauwerk war die Zeppelintribüne, die an das Zeppelinfeld angrenzt. Auf dem Zeppelinfeld waren wiederum große Aufmärsche geplant, die von rund 60.000 Menschen auf der Tribüne verfolgt werden konnten. Zum Beispiel marschierten dort nachts die 'politischen Führer', begleitet von einem Lichtspektakel (auch Lichtdom genannt), das die sakrale Wirkung der Veranstaltung intensivierte. Die Tribüne sah damals allerdings etwas anders aus als heute. Auf der Haupttribüne waren zwei Säulenreihen angebracht, die wie die Kongresshalle, an antike Architektur erinnert, außerdem 'thronte“ über allem ein großes Hakenkreuz, das 1945 von der US-Armee gesprengt wurde. Die Säulen mussten wegen Baufälligkeit abgetragen werden, obwohl die gesamten Bauwerke laut Hitler für die Ewigkeit gemacht sein sollten. Innerhalb der Zeppelintribüne befindet sich der goldene Saal, der zum Empfang vieler ausländischen Gästen genutzt wurde und von dem aus sich Aufgänge zu den Tribünen befinden. In diesen Räumen kann die alte Ausstellung über die Zeit des Nationalsozialismus besucht werden.
Faszination und Gewalt
Der letzte Punkt unserer Exkursion war die Besichtigung der Ausstellung „Faszination und Gewalt“ im nördlichen der zwei Kopfgebäude der Kongresshalle, die sich mit der Wirkung des Nationalsozialismus auf die Menschen auseinandersetzt und dabei ortsspezifische Besonderheiten hervorhebt. Die Ausstellung ist ein Teil des Dokumentationszentrums, das seit 2001 seinen Sitz dort hat. Das Kopfgebäude wurde zwischen 1998 und 2001 baulich, durch einen begehbaren Speer aus Glas und Stahl, verändert, der sich diagonal durch das Gebäude bohrt. Im südlichen Kopfgebäude finden heute Proben der Nürnberger Symphoniker statt.
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