Der Chefredakteur Rainer Bonhorst sprach am PKG


Von Rainer Bonhorst als Chefredakteur einer der größten deutschen Zeitungen mit einer Auflage von über 1 Million Lesern kann man erwarten, dass er sich schriftlich druckreif artikulieren kann. Aber der Mann spricht auch so wie er schreibt, und das war nun wiederum ein Vergnügen für die ca. 30 Zuhörer, die am Mittwochabend zu seinem Vortrag gekommen waren. Und Bonhorsts Vortrag war von der ersten bis zur letzten Minute spannend. Haben die Printmedien im Zeitalter der IT-Technologie noch eine Chance? So lautete die Ausgangsfrage. Und in der Tat scheint die Ausgangslage für die Printmedien nicht die beste zu sein. Einbussen bei den Zeitungslesern seien vor allem in den Städten und naturgemäß bei den jungen Lesern zu verzeichnen. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Zeitungsleser bei den 14- bis 19-jährigen von 72 auf 47% gesunken, bei den 20- bis 29-jährigen von 77 auf 57 % , bei den 30- bis 39-jährigen von 85 auf 67 %, bei den über 14-jährigen insgesamt von 83% auf 72%. Dramatische Einbrüche, die allerdings bei der AZ nicht so dramatisch verliefen, denn die AZ stellt sich der Herausforderung. Daher verlor sich Bonhorst auch nicht im Lamentieren über verlorene Leserschichten, sondern gab sich kämpferisch. Ja, das Internet sei eine große Herausforderung für die Tageszeitungen. Aber dies sei gleichzeitig eine Chance, die Herausforderung offensiv anzunehmen. Die AZ will sich des Internets bemächtigen, will im Chaos des Internets dem Leser eine gewissen Orientierung bieten. Denn immer noch genießen die Zeitungen das Vertrauen des Lesers und den Nimbus der seriösesten Informationsquelle. Konsequent nutzte der Chefredakteur daher den Auftritt im PKG zur Verkündigung einer Premiere: Ab sofort bietet die AZ ihren Lesern, insgesamt 960 Städten, Märkten und Gemeinden in Schwaben und Oberbayern eine Plattform unter dem Dach der AZ. „Servus“ heißt dieses Projekt, bei dem die User bzw. Leser eigenhändig Artikel über ihre Heimat online stellen können. Zudem sieht sich die AZ auch der Konkurrenz aus dem Lager der „yellow press“ (Bildzeitung, Abendzeitung, TZ) ausgesetzt, der man sich bewusst stellt und sich nicht scheut, über das Liebesleben der Prominenten genauso zu schreiben wie über die Eskapaden einer Paris Hilton oder über das Dschungel-Camp. Angesichts dieser Anpassung der AZ und der anderen seriösen Tageszeitungen an die neue Situation braucht man sich um die Tageszeitung keine Sorgen zu machen. Der Leser weiß Qualität und Zuverlässigkeit der Zeitung zu schätzen, so dass die Prognose von Bill Gates, der ein Ende der Zeitung fürs Jahr 2000 vorausgesagt hatte, auch nicht für das Jahr 2050 eintreffen wird. Ändern wird sich allenfalls das Erscheinungsbild der Zeitung sowie des Formates. Der Vortrag war ein Highlight der Vortragsreihe „Nachgefragt. Dialog am PKG.“ Schade nur, dass so wenige Schüler die Möglichkeit nutzten, dem Chefredakteur kritische Fragen zu stellen. Herr Bonhorst allerdings zeigte sich sehr angetan von der Diskussion und versprach, nochmals ans PKG zu kommen. Dann wird er den Schülern zeigen, wie man eine Zeitung produziert. Und ein weiteres Präsent hatte der Chefredakteur bereit. Er versprach, 20 Schüler zu einer Redaktionsleitung in die AZ einzuladen. Ein durchweg gelungener Abend.

Herzlichen Dank, Herr Bonhorst!

Dr. Bernhard Lehmann

 



 

 

 

 
   
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