Willkommen zurück! - 26.01.2010
So, nun bin ich also wieder da.Huhu!
Und obwohl es ja bloß vier Monate waren, muss ich mich hier in mein altes Leben wieder eingewöhnen, als ob ich Ewigkeiten weg gewesen wäre. Früher völlig Normales scheint so fremd und alte Gewohnheiten sind komplett überholt, dass es mir nun erst nach längerer Zeit wieder gelingt, mich hier einzugliedern. Doch aller Anfang ist ja bekanntlich schwer…:
Ich schaue instinktiv nach rechts, um auf meiner Seite heranfahrende Autos zu sichten, sehe nichts und laufe los. Tja so ein Pech! Das Auto kommt hier aber selbstverständlich von links! Hupkonzerte, wütende Blicke, Flüche und jedesmal eine Schrecksekunde meinerseits begleiten mich deshalb durch den Straßenverkehr. Als Fußgänger.
Im Auto, bei dem ich mir natürlich erstmal wieder angewöhnen muss, nicht auf der „Fahrer“seite einzusteigen, habe ich gerade in der ersten Zeit nach meiner Rückkehr noch keine stresslosen Fahrten verbracht – mir wird schlecht, wenn ich die Augen zumache. Aber das wäre nun mal das Einzige, was mich vor meiner Unfallangst bewahren könnte. Denn für mich sind wir ja ständig Geisterfahrer, die sich in der Seite getäuscht haben und deswegen jede Sekunde einfach auf ein entgegenkommendes Fahrzeug stoßen müssen!
Doch auch zuhause wird so manches erst langsam wieder normaler für mich.
Auf der Farm habe ich zum Beispiel rund um die Uhr mit fünf Hunden zusammengelebt. Nun ja, das hat sich der verstörte Nachbar wahrscheinlich nicht gleich gedacht (das sagte zumindest sein ratloser Blick), als er mich beobachtete, wie ich die Haustür öffnete und sofort instinktiv meine Hand in Erwartung von mindestens drei Vierbeinern hinunterstreckte.
Bloß war da eben nichts.
Genauso wie da nichts ist, wenn ich nach Dämmerung einen Raum betrete und erstmal wie eine Irre auf Augenhöhe an die Wand klatsche, weil die Lichtschalter in Irland nämlich ein ganz schönes Stück höher sind als die deutschen.
Und dann wäre da ja auch noch die Sache mit dem Telefon.
Die arme Sekretärin unserer Versicherung!
Ich renne wie immer zum Telefon, erwische es gerade noch im letzten Moment und melde mich gehetzt mit „Eagles Flying, hello?“. Erstmal Stille. Dann die verunsicherte Frauenstimme vorsichtig
„ Äähm…Isn’t sis Familie Leissner?“.
Ooh. Ja, da hat sie recht. Entschuldigung.
Ich versichere ihr nun, dass sie sich nicht verwählt hat, das eben war nur…tja, was war das nur? Genau, meine…äm, Austauschschülerin, die ausnahmsweise den Hörer abgenommen hat, aber jetzt… ja, natürliche werde ich meinem Vater einen Zettel schreiben.
Ich sollte mir eben einfach wieder mein altes „Sonja Leissner, hallo?“ und „die“ statt „wir in Irland“ angewöhnen und auch insgesamt langsam wirklich hier ankommen - ist das gute alte braune Brot doch zu lecker, um es wegen irischem Buttermilchbrot und Toasts auf ewig zu verlassen…
White vs. green - 12.11.09
Es ist neun Uhr morgens. Noch zwanzig Minuten bis zum Unterrichtsbeginn.
Wir lehnen wie gewöhnlich im Gang an der Heizung und weil das Thema auf den kalten Wind draußen kommt, erzähle ich beiläufig im Nebensatz, dass es in Deutschland gestern schon ein bisschen geschneit hat, aber halt noch nicht so wirklich, denn es ist ja erst…. doch ich brauche meinen Satz gar nicht zu beenden, schon werden augenblicklich sämtliche Gespräche ringsherum unterbrochen.
Snow. Snow? Did you just say snow? Real snow?
Oh my god.
Und dann geht es los – eine Flut an aufgeregten Personen fängt an wie wild durcheinander zu plappern:
„Oh my god, you have real snow in Germany? Every year?“
„Jesus! Snow! I only had snow once – in my freezer.“
„What does it feel like? Is it very cold?“
„Can you really make something with it – I mean, do you have enough of it to build a snowman of this size? (mir wird eine Länge von etwa fünfzig Zentimetern gezeigt) ‘Cause that’s the biggest we were able to build once…well I was very little at that time….“
„Oh yeah, you can also make…what’s it called?... a snow angel, right?“
„This is so amazing! Imagine, we had actual snow - that lasted a bit longer - the last time eleven years ago!“
…etc. etc. etc….
Innerhalb von Minuten stehe ich wie ein Märchenerzähler in der Mitte eines Kreises und berichte ausführlich von Schneemännern, Iglus, Schlittenfahren, Winterreifen und Schneechaos auf deutschen Straßen. Faszinierte Gesichter hängen an meinen Lippen.
Ich wusste gar nicht, dass stinknormaler Schnee so interessant sein kann.
Aber die grüne Insel heißt ja nicht umsonst grüne Insel – Winter wird hier nicht über Minusgrade, Schnee und Eis definiert, sondern nur über kürzere Tage, noch mehr Wind und Regen und vielleicht ein bisschen kältere Temperaturen als im Herbst, allerdings selten unter null Grad.
Malerische Schneelandschaften, raureifverzauberte Fenster und zugefrorene Seen sind deshalb Phänomene, die zwar in Deutschland die totale Selbstverständlichkeit darstellen, hier jedoch so fremdartig wirken wie ein Sandsturm in Südbayern.
Der Klimaunterschied zeigt sich aber genauso im Sommer – was mir erst letztens wieder unsanft mitgeteilt wurde:
Eines schönen Tages ging ich nur in einer weißen Bluse nichts ahnend durch einen Korridor in meiner Schule, unwissend dass ich gleich um die Ecke in eine der strengsten, sehr traditionsbewussten Lehrerinnen laufen würde.
Nun ja. Meine Entschuldigungen akzeptierte sie problemlos, aber unseren Zusammenstoß nahm sie prompt zum Anlass, mir einen ihrer berühmten kleinen Vorträge über die Schuluniform zu halten:
Ja, von wegen ob ich denn meinen Schuljumper verloren hätte oder was, und was denn das hier solle, also das wäre ja keine Uniform...blablabla…
Ich sah mich aber definitiv im Recht und brachte das dann auch zum Ausdruck: Die Bluse war neu – ich habe ansonsten nur farbige - , eben extra als Teil der Uniform besorgt, gut, vielleicht hatte mein Top drunter hellgrüne Streifen, wenn sie das störe, dafür Entschuldigung Herrgott nochmal, aber was sollen die Leute hier denn dann eigentlich im Sommer machen? Im Juni? Juli? Immer im warmen dunkelblauen Pullover rumlaufen?
Doch ihr schlichtes Gegenargument saß natürlich : „Maybe you haven’t realised it yet. We are in Ireland here. It doesn’t get that hot in summer.“
Okay, wo sie recht hat, hat sie halt leider recht.
Golfstrom. Mildes Klima. Recht konstant übers Jahr, keine Jahreszeitenextreme. Ja, ist ja gut.
Aber mir persönlich gefällt vor allem diese unglaubliche Wandelbarkeit des Wetters so sehr.
Erst heute war ich nach der Vormittagsarbeit draußen wieder einmal komplett bis auf die Haut durchnässt - triefnasse Haare, sogar in meinen Gummistiefeln hatte ich schon wieder Wasser, das die Hose nicht mehr aufnehmen konnte und welches deswegen nach unten transportiert wurde… kurz gefasst: Es sah erneut so aus als würden wir alle an Regen und Matsch zugrunde gehen.
Doch pünktlich zur Nachmittagsflugshow erschien völlig unvermittelt und aus dem nichts der Klischeeregenbogen, die schwarzen Wolken machten grauen, trockenen Platz und unsre Greifvögel konnten unter freiem Himmel ihr Können zeigen.
Es ist wirklich beeindruckend, wie spontan und unerwartet sich hier der Himmel ändert.
Und man meint ja immer, die Geschichten von den häufigen Regenbogen sind übertrieben, aber es herrschen wirklich ständig deutsche Aprilverhältnisse, perfekte Bedingungen für jegliche Art von Pflanzen zu wachsen – klar, hier fallen bekanntlich mehr Niederschläge, aber umso schneller vergehen die auch wieder und zuverlässig kommt die Sonne hinter den Wolken hervor.
Und der Moment erscheint fast zu kitschig, wenn das Land reingewaschen in seinem leuchtenden, typischen Grün erstrahlt.
Der königsblaue Kartoffelsack und seine Freunde - 14.10.09
Jeder Schüler des Paul-Klee-Gymnasiums kennt dieses Thema. Zum Abwinken. Man kann es eigentlich nicht mehr sehen.
Denn seit der siebten Klasse, wenn es in der Erörterung im Deutschunterricht das erste Mal auftaucht, scheint es auch weiterhin mit Abstand das Lieblingsthema aller Lehrer und Lehrerinnen zu sein:
Pro und Kontra der Schuluniform.
Ja, schon klar, kein Entscheidungsstress in der Früh, keine gemeinen Kommentare von Mitschülern wegen der Kleidung, Gemeinschaftsgefühl, blablabla, dann aber auch Einschränkung des Individualismus’, in Deutschland außerdem noch der bittere Beigeschmack einer Uniform wegen der blutbefleckten Verbindung zur Vergangenheit…
Ich persönlich gehörte auch zu denjenigen, die mit diesem Thema aufgrund des ausführlichen Behandelns in jedem Jahr völlig abgeschlossen hatten, aber für mich bekam es hier drüben natürlich nochmal eine ganz andere Bedeutung:
Ursprünglich war ich gar nicht so ablehnend eingestellt , aber als ich dann in dem kleinen Tante-Emma-Laden in Ballymote stand und der Verkäufer mir den ersten „Jumper“ (=Pullover) hinhielt, dachte ich ernsthaft, er mache Witze.
Also ich meine, es kann ja wohl nicht soo schwer sein, einen Pullover zu designen, der wenigstens ein bisschen Verbindung zur aktuellen Mode hat. Ich hatte mir ja nichts großartig Schönes erwartet, aber das, was ich da an mir im Spiegelbild erblickte, war eine Ohrfeige für jeden, der ein bisschen Ahnung von normaler Kleidung hat.
Wenn ich sage, dass der Schuljumper aussieht wie ein unproportionierter Kartoffelsack, dann ist das nur nett und milde ausgedrückt, weil ich mich hier echt wohlfühle und niemanden verletzen möchte.
Aber der deutsche Teil von mir konnte es einfach nicht glauben – Wenn in Deutschland ein solcher Schnitt verpflichtend auf der Tagesordnung stünde, dann würde vermutlich eine Revolution losgehen, es würden höchstwahrscheinlich alle Schüler mit erhobenen Fäusten auf ihren Tischen stehen und so etwas brüllen wie: „Nein, das könnt ihr mit uns nicht machen! Das ist unter unserer Würde! Wir werden SO nicht rumlaufen, das könnt ihr uns doch nicht antun!“ Außenstehende würden vermuten, sie werden gefoltert, aber dabei versuchten sie bloß ihre Ehre zu retten.
Ich denke mein Blick, mit dem ich mich und dieses Etwas im Spiegel betrachtete, sagte mehr als tausend Worte. Der besorgte Verkäufer handelte auch augenblicklich und versuchte die Situation zu retten…“Do you want it one size smaller, maybe?“-„Yes, definitely, please. Thanks.“
Aber egal, wie groß so ein Pullover ausfällt, sein Schnitt bleibt nunmal. Tja, das habe ich aber auch erst nach ein paar kleineren Versionen verzweifelt feststellen müssen.
Doch es führte kein Weg an der Wahrheit vorbei: Ich werde ab jetzt dauerhaft in so etwas herumlaufen!
Doch meine anfängliche Frustration legte sich recht schnell – mir blieb ja doch nichts anderes übrig. Also gut. Ich kapituliere ja schon. Geben Sie mir den da, ja den da. Der „passt“ nämlich zumindest von der Ärmellänge her.
(So endete der Kauf des Oberteils, aber die Geschichte, bzw. dieser Alptraum, von dem ich einfach nicht aufwachte, geht natürlich weiter.)
Zur Schulhose kann man nur so viel hinzufügen:
Ich denke, es ist aussagekräftig genug, wenn ich erzähle, dass ich mich jeden Tag deswegen ernsthaft auf die Farmarbeit freue, weil ich eine -wenn auch verdreckte- Jeans anhabe.
Und zwar egal wie angenehm der Job auch sein mag (Saubermachen und Vernichten der Hinterlassenschaften sämtlicher Tiere, Füttern derjenigen, die sich nur mit einem kräftigen Schnabelhieb, Fußtritt, Hörnerschubser oder Biss bedanken, Verarzten von verletzten Tieren, Helfen bei der Futtervorbereitung – Eintüten & Einfrieren von 7 frischen, blutigen Bestandteilen des gerade auseinandergenommenen Hirsches, Verteilen von 330 tiefgefrorenen Küken auf 5 gleichanteilige Boxen – macht 65 pro Box;)…, Betreuung der Besucher im Pet Zoo - Nein, dem Kaninchen bitte nicht ins Auge langen, nicht fallen lassen, nicht mit deinem Lolli füttern - ,….etc…etc….)
Nun ja, jedenfalls habe ich ein Kleidungsstück an, in dem man meine Beine tatsächlich sieht. Nein, ich habe zum Arbeiten natürlich nicht meine Röhrenjeans an, aber halt wenigstens eine normal weite Hose…
So kommt es, dass ich - die ja bekanntlich wirklich nicht so viel mit Röcken am Hut hat - doch fast täglich, oder zumindest auf jeden Fall häufiger als die Hose, einen Rock anhabe - der Schulrock ist nämlich noch der Bestandteil, der am meisten dem ähnelt, was in unseren Kreisen auch als Kleidung bekannt ist.
In meinen ersten Tagen in der Schule mussten meine armen Freunde mir noch alle fünf Minuten versichern, dass ich nicht aussehe wie ein Alien oder kompletter Vollidiot, jeder laufe doch so rum - aber es ist doch immer wieder erstaunlich, wie schnell sich der Mensch an etwas gewöhnen kann:
Mittlerweile trage ich meinen königsblauen Kartoffelsack mit Stolz und schätze seinen Vorteil - man kann nämlich unter ihn ziemlich viel anziehen, ohne dass es groß auffällt – eine Figur hat da drin eh niemand (was natürlich wirklich zur Gleichbehandlung führt), aber mit mehr Schichten kann man dem irischen Wind wenigstens besser trotzen!
Was für ein gelungener Reisestart - 30.09.09
Die blonde Frau am Check-in-Schalter von AirLingus in München meint, sie könne wirklich keine Ausnahme machen. Ich müsse jetzt dringend meine fünf Kilo Übergewicht zahlen –außer ich hätte gewichtsmäßig noch etwas Spielraum im Handgepäck.
Nun, den hab ich zwar ganz und gar nicht, aber das muss sie ja nicht wissen - besser als Zahlen ist es wohl auf jeden Fall. Aber wie soll ich schon rein vom Platz her noch irgendetwas in den sowieso schon völlig überforderten Rucksack bekommen???
Wieso können die denn eigentlich nicht so eine nette Regel einführen, dass z. B alle Passagiere, die länger als zwei Monate verreisen, grundsätzlich ein zweites Gepäckstück mehr haben dürfen – bzw. mehr Gewicht in ihrem Koffer???
Nachdem ich auf so eine Regel aber anscheinend noch etwas länger warten muss, bleibt mir jetzt wohl oder übel nichts anderes übrig als meinen Koffer zu erleichtern. Vor allen. Und wie vermutet steht der süße Typ von vorhin natürlich gleich eine Familie weiter in der Schlange. Murphy‘s law. Na Gratulation.
Ich werde nervös. Ich versuche logisch zu denken. Okay. Was zur Hölle macht meinen Koffer so schwer? Da sind doch eigentlich eh bloß Klamotten drin, oder??
Beim Öffnen sehe ich zu allererst oben aufliegend meine Schultasche. Gut, die könnte ich doch einfach als zweites Handgepäck nehmen?
Ja klar, das kommt ja auch wirklich gar nicht komisch – bei zwanzig Grad trage ich zwei Pullis, eine dicke Winterjacke, einen nahezu platzenden Megarucksack und eine vollgestopfte Tasche. Bei dem Anblick wird beim Boarden ja auch bestimmt keiner auf die Idee kommen, dass mein Handgepäck vielleicht ein klein bisschen zu viel wiegt…
Aber gerade unter den belustigt zusehenden Augen der Menge wächst der Druck und ich muss mich für irgendeine Lösung entscheiden. Es ist die einzige Möglichkeit.
In meine geliebte Tasche, die gottseidank ihre einzigartige Qualität beibehält und fleißig alles schluckt, als würden die Dinge unten wieder rausfallen, wandern deshalb:
Zwei Paar Schuhe(Hallo, ich wusste gar nicht, dass meine gammeligen Stoffhalbschuhe so viel wiegen, die sind doch noch nicht mal aus Leder!!), mein einziges Buch (ein dünnes Taschenbuch, meine Schulbücher aus Deutschland sind viel zu weit unten drin, die kann ich eh vergessen), mein Schweizer Taschenmesser (nein halt, zurück, das überlebt mir ja die Kontrolle nicht), ein Nasenspray und die Hustentropfen in der - wie mir scheint - so schweren Glasflasche. Aber shit. Das bedeutet ja wieder Flüssigkeit!
Mittlerweile komplett angenervt grabe ich aus meinem Koffer also irgendein plastikbeutelähnliches Etwas. Keine Ahnung, was es eigentlich ist. Interessiert mich langsam auch nicht mehr - höchstens vielleicht die mittlerweile vergnügt tuschelnde Menge hinter mir. Na denen scheint das Warten ja herrlich Spaß zu machen , ach wie ich es doch liebe Leute zum Lachen zu bringen.
Doch erst beim genaueren Hinsehen fällt mir auf, was sie wahrscheinlich noch viel mehr belustigt: durch diese verplante Wühlaktion wird der Meute jetzt nämlich zusätzlich zu einem mit den Nerven völlig fertigen Mädchen in meinem Koffer noch der Anblick meiner neuen roten Unterwäsche vergönnt!
Als ich mich umdrehe und den kleinen Jungen in der Familie hinter mir sehe, der mit seiner Schwester zu flüstern beginnt und auf den Inhalt meines Teufelskoffers zeigt, werde ich erst mal garantiert genauso rot wie meine neue Unterwäsche. Und spätestens als ich in der Schlange dahinter geradewegs in das nun vom einen bis zum anderen Ohr grinsende Gesicht des süßen Typen sehe, fühle ich mich endgültig wie Bridget Jones.
Als ich wie durch ein Wunder doch irgendwann fertig werde und es sogar schaffe - ohne in eines der Gesichter der kichernden Menschen um mich herum zu blicken - in Richtung Sicherheitscheck zu gehen und den auch ohne Zwischenfälle zu überstehen, halte ich in meiner Flucht inne und setze mich in das nächste Café.
Ich beruhige mich, indem ich versonnen die Milch in meinem Cappuccino umrühre. Dreimal rechtsrum. Dreimal linksrum. Dreimal rechtsrum. Dreimal linksrum. Manchmal braucht der Mensch Monotonie. Dreimal rechtsrum. Dreimal…rums. Neben meinem Rucksack und meiner Tasche ist ein weiterer Rucksack gelandet.
Aber. Moment mal. Den kenn ich doch.
Als ich aufschaue, sitzt mir gegenüber natürlich niemand anderes als der Typ von vorhin.
Doch noch bevor ich irgendetwas sagen kann, stellt er sich mit irischem Akzent als Damien vor und meint mit einem verschmitzten Lächeln, also ihm hätte meine Unterwäsche ja schon sehr gefallen...
Sonja Leissner |