Auch in den beiden Schuljahren 2016/2017 und 2017/2018 nehmen zwei Schulen des Landkreises, das Leonhard-Wagner-Gymnasium in Schwabmünchen sowie das Paul-Klee-Gymnasium in Gersthofen gemeinsam am Erasmus+-Projekt der Europäischen Union teil. Während das letzte Projekt noch Diktaturerfahrungen des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden, in Italien, Tschechien und Deutschland thematisiert hatte, steht nun die Geschichte der europäischen Industrialisierung des 19. Jahrhunderts im Vordergrund. Das aktuelle Projekt beinhaltet dabei Austauschprogramme mit Italien, Tschechien und Slowenien, die im Verlauf der beiden Schuljahre stattfinden.

Gastgeber des ersten Workshops waren die teilnehmenden Schulen des Landkreises. In der letzten Februarwoche besuchten uns die Austauschschüler der einzelnen Länder. Gemeinsam mit unseren Partnern im Projekt unternahmen wir verschiedene Exkursionen, die sich alle mit der Architektur- und Textilgeschichte des 19. Jahrhunderts in unserer Region beschäftigten. Nach der Ankunft der Austauschschüler am Sonntagabend konnten diese sich in ihren Gastfamilien einleben. Die Begrüßung durch die gastgebenden Schulen fand am Montag im Augsburger Zeughausstatt. Dort stellten sich zunächst die deutschen Schulen vor, bevor alle Schüler an einer Stadtführung zur Architektur im 19. Jahrhundert teilnahmen. Nachmittags machte man gemeinsam das Stadtbad unsicher, um somit einen Eindruck zu gewinnen, wie Badekultur damals gesehen wurde. Die tschechischen Schüler konnten dann feststellen, dass das Augsburger Jugendstilbad dem ehemaligen Bad in Reichenberg / Liberec sehr ähnlich ist. Übrigens wird das dortige Bad heute als Gallerie genutzt. Der nächste Tag stand im Zeichen der Textilindustrie. Im schwäbischen Textilmuseum machten die Schüler nicht nur eine theoretische Reise in die Zeit, sondern beschäftigen sich auch praktisch mit Methoden: sie bedruckten T-shirts und Taschen im Siebdruckverfahren. Abends gab es die Gelegenheit, im Stadttheater Augsburg im Rahmen der Generalprobe zum Stück „Die Csárdásfürstin“ einen Einblick in kulturell stilbildende Entwicklungen dieser Epoche zu gewinnen. Während die europäischen Austauschschüler einen traumhaft verschneiten, romantischen Tag im Märchenschloss Ludwigs II. in Neuschwanstein verbrachten, war die gesamte Austauschgruppe von insgesamt 60 Schülern am anschließenden Donnerstag wieder bei der Firma Schöffel in Schwabmünchen versammelt. Das heute weltweit aufgestellte Outdoorunternehmen hat seine Wurzeln ebenfalls im 19. Jahrhundert, wie die Leiterin der Schöffel-Stiftung, Frau Andrea Schöffel, der gesamten Gruppe anschaulich vor Augen führte. Um die eindrücklichen Ergebnisse dieser Woche länger im Gedächtnis zu behalten, blieb nun nur noch die Aufgabe, diese in Form von Fotobüchern und kleineren Artikeln zu dokumentieren. Diese wurden dann bei einem gemeinsamen Abschlussessen präsentiert. Auch bei Speis und Trank blieb der Eindruck haften, dass sich hier junge Menschen aus verschiedenen Ländern Europas im Rahmen eines Schulprojekts getroffen haben, die miteinander mehr verbindet als sie trennt, wie auch der Gersthofener Bürgermeister Michael Wörle bei seinem kurzen Besuch feststellen konnte: ein tolles Ergebnis dieser Woche, das man vielen Erwachsenen und in der Verantwortung stehenden Politikern in den aktuellen Fragen wünschen würde. Um die neu gewonnenen Freundschaften ebenso zu vertiefen wie das Wissen um die europäische Geschichte der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, fahren beide Schulen nun vom 10. bis zum 16. April zum Gegenbesuch nach Frydlant (Tschechien). Auch dort wartet wieder ein spannendes und abwechslungsreiches Programm auf Schüler und Lehrer.

 

 

 

 
   
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